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Häufig gestellte Fragen

Unerfüllter Kinderwunsch

Illona K., 37 Jahre, aus Jülich, würde gerne mehr darüber wissen, welche psychologischen Aspekte einem unerfüllten Kinderwunsch beachtet werden müssen.

Neben organischen Ursachen für eine ausbleibende Schwangerschaft werden oft auch psychische Ursachen diskutiert. Welche sind das ?
v.d.B.: Vor allem Tiefenpsychologen, wie z.B. Psychoanalytiker, gehen davon aus, das unbewusste Widerstände eine Schwangerschaft verhindern. Bei Frauen soll es sich da um eine innere Ablehnung der Mutterschaft handeln, bei Männern um eine tiefe Angst vor der Vaterrolle.

Ist das auch Ihre Meinung ?
v.d.B.: Hierbei stellt sich weniger die Frage, ob ich auch dieser Meinung bin. Für viel wichtiger halte ich es, das solche psychologischen Erklärungen wissenschaftlich nicht haltbar sind. Um es mal ganz deutlich zu sagen: es gibt keine wissenschaftlich nachweisbaren psychischen Ursachen für eine ausbleibende Schwangerschaft - alle anders lautenden Behauptungen sind reine Spekulation.

Was aber bringt dann die betroffenen Paare in Ihre Praxis ?
v.d.B.: Natürlich erst einmal die Hoffnung, doch noch irgendeine Ursache zu finden, gegen die sie auch konkret was unternehmen könnten. Lässt sich aber keine Ursache finden, so sind die Paare der Kinderlosigkeit hilflos ausgeliefert. Sich handlungsunfähig zu fühlen ist jedoch ein Zustand, mit dem wir Menschen nur schwer zu Recht kommen. Hier ist es in erster Linie meine Aufgabe, den Paaren einen Halt in ihrer Ausweglosigkeit anzubieten und neue Hoffnung zu machen.

Wie mutlos sind denn die Paare ?
v.d.B.: Nun, so eine Phase der künstlichen Befruchtung oder gleich mehrere Versuche hintereinander – das steckt man nicht so einfach weg. Die künstliche Befruchtung kann körperlich sehr unangenehm sein, eventuell treten Schmerzen auf oder Veränderungen durch die Hormone, hinzu kommen die Wartezeiten bei jedem erneuten Versuch – all das zehrt an den Paaren und raubt ihnen jede Kraft. Da verliert man schnell die Hoffnung auf einen guten Ausgang.

Woher aber könnte dann die Kraft für neue Versuche herkommen ?
v.d.B.: In erster Linie aus dem Zusammenhalt beider Partner. Hier achte ich in der Beratung darauf, dass Auseinandersetzungen ohne Streit geführt werden und die emotionale Nähe zwischen den Beiden verstärkt werden kann.

In einem zweiten Schritt zeige ich dem Paar, wie auch jeder für sich alleine einen besseren Zugang zu seinen eigenen Kraftreserven bekommt. Die Paare müssen vor allem lernen, darauf zu achten, was ihnen in ihrem Alltag gut tut und was nicht; oder welche Menschen in ihrem Umfeld eher Kräfte zehrend oder emotional nährend sind. Hier muss man sich – auf jeden Fall zeitweise – vom Schlechten trennen oder es sich auf Distanz halten und eben dem Guten mehr Raum geben.

Und was ist, wenn es dann doch bei einem erneuten Versuch wieder mal nicht klappt?v.d.B.: Da hilft keine Vernunft und kein Zusammenreißen: jetzt ist Trauer und Schmerz das vorherrschende Gefühl – aber auch Wut darüber, dass es wieder nicht gut ausgegangen ist. Weinen und Fluchen kann sich da ruhig abwechseln, aber dann laut und deutlich. Und keiner der Partner muss sich hier – aus Rücksicht auf die Gefühle des Anderen – zurückhalten. Vielmehr geht es gerade jetzt darum, die auftauchenden Gefühle miteinander zu teilen.

Gehen Frauen und Männer denn anders mit einer ausbleibenden Schwangerschaft um ?
v.d.B.: Frauen denken eher darüber nach, worin ihre Schuld an der Kinderlosigkeit liegen könnte: falsche Ernährung, Alkohol, Stress, Berufstätigkeit usw.. Viele denken auch „Wahrscheinlich habe ich kein Kind verdient!“ oder sind davon überzeugt, dass Gott sie für irgendeine Sünde mit der Kinderlosigkeit bestrafen will.

Hier helfe ich den Frauen, zu diesen harten und sich selbst bestrafenden Gedanken auf Abstand zu gehen. So können sie lernen, wie man sich die eigenen Fehler verzeihen kann und dass es angenehmer ist, gütig und wohlwollender über sich selber zu denken.
Männer dagegen reißen sich eher zusammen und versuchen, der feste Fels in der Brandung für die Frau zu sein: sie lassen ihren Gefühlen kaum Raum und reagieren auf die emotionale Berg- und Talfahrt ihrer Frau mit vernünftigen Argumenten und Ratschlägen.
Ich ermuntere die Männer dann, öfter auch ihre schwachen Seiten zu zeigen und so zu lernen, dass ihre Ängste und Sorgen ebenfalls eine Berechtigung haben.

Und wie stehen die Paare zu einer Lösung des Problems durch Adoption ?
v.d.B.: Die Paare, die zu mir kommen, wünschen es sich dringlich, schwanger zu werden. Verständlicherweise haben sie daher kein Interesse an einer Diskussion möglicher Alternativen. Insofern sehe ich meine Aufgabe darin, den Paaren dabei behilflich zu sein, eben doch noch schwanger werden zu können.

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