Libidoverlust und Orgasmusstörung

Aus der Reihe »Sexualstörungen in der Praxis« – Fachartikel, erstmals veröffentlicht in der Zeitschrift Der Hausarzt, mit freundlicher Genehmigung von www.medkomm.de.

Libido- und Orgasmusstörungen sind in unserer Zeit keine Seltenheit mehr. Es geht um den Libidoverlust beim Mann und das gestörte Orgasmus-Erleben der Frau.

Die falsche Partnerin?

Eine Hausärztin aus Düsseldorf beobachtet zunehmend Männer Ende 20, die das Interesse an ihrer Sexualität völlig verloren haben – generalisiert, bis hin zur Selbstbefriedigung. Ich bestätige diesen Trend. Zwei Erklärungen kristallisieren sich heraus. Etwa 20 % der Männer müssen im Beratungsgespräch feststellen, dass sie eigentlich die falsche Frau geheiratet haben: ungewollte Schwangerschaft, Angst vor dem Alleinsein oder Verwandtendruck führten zur voreiligen Entscheidung; die Emotionen lassen sich nicht betrügen und reagieren mit Rückzug – die Lust verschwindet.

Sexualberatung ist hier zuerst Lebensberatung; mehrheitlich trennen sich diese Männer, und in einer neuen Beziehung flammt die Lust unerwartet wieder auf.

Beruflicher Stress?

Bei rund 80 % liegen die Ursachen in existenziellen Ängsten im beruflichen Umfeld: angedrohte Kündigung, erhöhter Druck, Insolvenzen, verlorene Arbeit. Verständlich, dass der »Spaß an der Freud« zuerst verloren geht. Die therapeutische Arbeit zielt darauf, den Mann innerhalb der Rahmenbedingungen zu stabilisieren: Zusammenhalt in Partnerschaft und Familie stärken, Rückhalt im Freundeskreis, aktive statt Opfer-Rolle, berufliche Alternativen suchen.

Sexuelle Lust wird punktuell wieder aufflackern – als natürliche Reaktion der Krise sie zu akzeptieren, ist die anspruchsvolle Aufgabe für den Mann und seine Partnerin.

Orgasmusstörungen: Der Blick in die Kindheit

Ein Gynäkologe fragt nach einer 32-jährigen Patientin, die in ihrer Partnerschaft nie zum Orgasmus kommt, bei der Selbstbefriedigung jedoch schon. Ist eine organische Ursache ausgeschlossen, sind Orgasmusprobleme meist aus einer Kindheit zu verstehen, in der die Frau in ihrer seelischen und körperlichen Identität lang anhaltend missachtet wurde – häufig durch einen tyrannischen Vater und eine hilflose Mutter. Tiefe seelische und körperliche Blockaden verhindern die Hingabe. Die Lösung: ein neues, eigenes und frei gewähltes weibliches Identitätsgefühl aufbauen – unter therapeutischer Anleitung, mit Konfrontation und Abgrenzung (etwa im Rollenspiel) und Arbeit am Körperselbstbild.

Die dabei freiwerdenden Emotionen lösen die Erregungsblockaden mittelfristig auf.

Volker van den Boom, Aachen

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Volker van den Boom – Sexual- und Partnerschaftsberatung in Aachen
Volker van den Boom – Praxis für Paartherapie, Aachen

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